Pfeife rauchen - (k)ein Relikt aus vergangenen Tagen?!


Relikt oder Kult?

„Rauchen sonst nicht nur alte Männer Pfeife??“ fragte mich ein Schulkamerad verdutzt am ersten Tag des neuen Semesters.. „wenn ich an Pfeife denke, denke ich immer an so Opas und dass es lecker nach Vanille riecht!“ warf ein anderer ein..

Hipster? Nein danke! 

 „Aber finde ich cool, es passt zu dir!“ sagte die nächste und schaute interessiert, was ich denn „mit dem komischen Eisenteil“ mache.. gemeint war natürlich mein Tscheche, mein Stopfer! „Ach.. Hipster rauchen auch auf einmal Pfeife, weil es cool ist“ ,blökte einer in die Runde, sah an mir auf und ab und bemerkte schnell, dass ich so viel Hipster bin, wie die TPD2 - die aktuellsten Richtlinien was (Pfeifen-)Tabak angeht - sinnvoll… 😉 "Sieht aber schon edel aus.. das hat was!" 

Den zu unrecht angesetzten Staub von der Pfeife blasen

Dieser Bericht soll ein für mich und viele andere junge (aber auch ältere) Pfeifenraucher gegenwärtiges Thema besprechen:

Pfeife rauchen.. ein Relikt aus vergangenen Tagen? Für einige scheint es vielleicht so, ich wehre mich aber vehement dagegen, dass die Pfeife als „Alte Männer Hobby“ in die Annalen der Geschichte des Tabakkonsums eingeht.

Und da bin ich nicht alleine! Einige Pfeifenmanufakturen, unzählige „Freehand-Artisten“ und viele Tabakproduzenten aus aller Welt, setzen für ein frischeres, jüngeres Image der Pfeife und des Pfeifentabaks ein. Klassische Designs wie das Billard-Shape oder der Sherlock-Holmes Full-Bent, bekommen Gesellschaft von modern anmutenden, teils verrückten, aber immer kreativeren Designs - mal mehr, mal weniger schön, aber das liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters! Werbe-Broschüren mit jungen Männern, die mit der Pfeife Modell stehen – hinfort mit dem „angesetzten Staub“, der sich zu unrecht auf das Image des Pfeifenrauchers gesetzt hat.

Die Tabake verändern sich auch: „Naturnah…dahin weht der Wind“, sagte Tom Darasz von Motzek mir. Es wird kunstvoller, handwerklich anspruchsvoller und auch fürs Auge interessanter, wie ich finde. Was einst „Seemanns-Garn“ bzw. Tabak war, ist heute kunstvolles Tabakblending in alter Tradition.. Curly-Cuts, Flakes, Plugs, Twist… die Auswahl ist riesig. Das alte, traditionelle mischt sich mit einem neuen Wind und das merkt man.

Ein Relikt aus vergangenen Tagen? NEIN! 

Auch wenn ich in meinem persönlichen Umfeld keinen Pfeifenraucher in meinem Alter kenne, sind Pfeifenforen und Google+ Gruppen alles andere als ein „Altmänner Treff“, wie es sich wohl der ein oder andere Nicht-Pfeifenraucher vorstellen mag! Hier trifft sich jung & alt, man tauscht sich über Rauch- und Stopftechniken aus, über Tabake, Pfeifen und Pfeifenbauer, oder einfach über Erfahrungen im Alltag mit der Pfeife. Jung lernt von Alt und Alt lernt von Jung!

Ich bin glücklich Teil dieser Gemeinschaft zu sein und habe durch sie eine bis dahin ungekannte Brüderlichkeit kennengelernt. Ob alt, jung, groß, klein, ob weiß, schwarz, gelb, grün oder lila... hier wird jeder mit offenen Armen empfangen und darf sich als Teil einer besonderen Gemeinschaft fühlen. Man bestellt gemeinsam die begehrten Tabake aus dem Ausland, man tauscht Proben, Tabake, Pfeifen und Meinungen. Die gemeinsame Leidenschaft für die Pfeife scheint eigentlich total verschiedene Menschen zueinander zu führen und zusammen zu schweißen.

Über diesen Weg habe ich auch Philipp kennengelernt.. er ist 21 Jahre alt und ebenso passionierten Pfeifenraucher wie ich. Ich selber bin 26 Jahre alt. "Junge Burschen", wie Philipp und ich sind doch wohl lebende Beweise dafür, dass Pfeife rauchen ganz und gar nicht „alte Männer Hobby" ist… 

 
Wie findet (junger) man(n) zur Pfeife?

Wie oben schon angeschnitten.. die Reaktionen sind gemischt, aber eigentlich durchweg positiv! Der Verwunderung, dass jemand in dem Alter Pfeife raucht, weicht schnell einer Neugier.. "wie bist du darauf gekommen?" ... "wie schmeckt so ein Tabak? Darf ich mal probieren?" ... "finde ich besser als Zigaretten rauchen, das hat wenigstens noch Stil!" ..."Der Tabak riecht aber gut! Ich rieche das gerne, bleib ruhig bei mir stehen" ...  Auf die Pfeife bin ich aus reiner Neugier gekommen... ich fand es interessant, die ganze Zeremonie drumherum, die bewusste Entschleunigung. 

Zu Weihnachten ein Starter-Set geschenkt bekommen und sofort verliebt gewesen!
"Du wirst ein Pfeifenraucher..", sagte ich mir nach der ersten Füllung - damals, ganz dem Klischee entsprechend mit Vanille Tabak, rauche ich heute kräftige, naturreine Tabake. Beim lernen, beim ausspannen, beim surfen...bei mir glimmt eigentlich immer eine Pfeife! Die Zigaretten habe ich dadurch auch an den Nagel gehängt, bevor sie meine Grabnägel werden würden. Und so bin ich froh die Pfeife für mich entdeckt zu haben.. es entschleunigt die "schöne neue Welt" voller Leistungsdruck, Schnelllebigkeit und ständigem Einprasseln von "Entertainment" á la Smartphone, Youtube & Co. Wenn ich vor der Schule stehe, extra eine halbe Stunde vor Schulbeginn; um noch eine kleine Pfeife in Ruhe schmauchen zu können, freuen die Leute sich..."ah cool, Pfeife! Hat mein Vater auch geraucht"  und so kommt man schnell ins Gespräch, lernt neue Menschen kennen. 

Philipps Erlebnisse mit der Pfeife

Wie war es bei dir Phillip? Wie bist du zur Pfeife gekommen?

Ich kam vor gut einem Jahr während meines Auslandssemesters in Dublin zur Pfeife. Dublin...... da denkt man an Peterson und das war auch einer der Gründe warum ich zur Pfeife kam. Ich bin jeden Tag auf dem Weg zur Uni an dem Peterson Laden in Dublin, also DEM Laden entlang gekommen. Da ich früher immer mal Zigarren geraucht habe, ist der Genuss von Tabak nichts Neues für mich gewesen. Ich habe mir also den Laden mal angeschaut und war begeistert. Alles andere ist, wie man so schön sagt, Geschichte und es kam das eine zum anderen.

Und wie haben Freunde, Familie und Schulkameraden darauf reagiert? Ähnlich verdutzt wie bei mir? ;-)

Da mein Freundeskreis ähnliche Interessen hat wie ich, kam das natürlich gut an. Die fanden es sehr edel und gediegen, als ich mit der Pfeife um die Ecke kam. Ein Freund hat auch eine Corn Cob jetzt und gönnt sich gelegentlich mal eine Pfeife mit mir. 

Ich weiß ja, dass du nur draußen Pfeife rauchst...wie sind die Reaktionen, wenn Leute dich draußen Pfeife rauchen sehen?

In der Stadt oder auf einem belebten Platz rauche ich dezente Virginias und selten mal nen Aromaten. Das riecht dann neutral nach Tabak oder Vanille. In der Regel wird man ab und an mal angeschaut, gesagt hat bisher keiner was. Abends wenn man in Kneipen unterwegs ist, oder vorm Club mal ne Füllung raucht, kommt es vor, dass Mädels mit einem ins Gespräch kommen, weil es "so schön nach Vanille riecht" ;-). Manche Freunde von Freunden finden es einfach interessant und wollen mal probieren. "Geil, der raucht Pfeife" oder "Cool, du hast ja ne Pfeife, was haste drin" oder einfach ein "Cool Pfeife, das hat was".

Resümee - Pfeifenraucher... rar, aber keine Relikte vergangener Zeiten...

In Zeiten von Abitur in 12 statt 13 Jahren, Rente ab 67 und durchgetakteten 8+ Stunden Arbeitstagen, ist die Pfeife DIE Entschleunigung, die dem ein oder anderen wohl gut tun würde... wie man sieht, es gibt sie... die "neue Generation Pfeifenraucher"! Ich drücke beide Daumen, dass es stetig mehr werden und der ein oder andere doch den Weg zur Pfeife findet, den Genuss und die Freude erkennt, die eine Pfeife spenden kann - dass es bald nicht mehr heißt "Pfeife rauchen? Das machen doch nur alte Männer.." sondern:

"Rauchen? WENN, dann Pfeife!!!".

Die Grundsteine sind gelegt, der Markt zieht mit und Nachwuchs steht in den Startlöchern bereit... also ran an die Pfeifen Jungs - und Mädels! 

Linktipps

Text und Fotos © 2017 Deniz Beck; Philipp Kriegsmann