Interview Per G. Jensen (Mac Baren)

Interview mit Per Georg Jensen

Per Georg Jensen ist der Pfeifentabakexperte und Repräsentant von Mac Baren. Tabak-Pfeife.com hatte die Gelegenheit mit diesem Tabakexperten über Pfeifen und Tabak zu sprechen.

Mac Baren - Tabakqualität seit 1887

Mac Baren verspricht: Seit 1887 stellen wir Tabak her und verwenden dabei nur die allerbesten Tabakblätter. Unsere Rezepturen und unsere Handwerkskunst, die wir seit vier Generationen leben, hat die Mac Baren Produkte zu dem gemacht, was sie heute sind.

Herr Jensen, wie lange rauchen Sie schon Pfeife und wie schafft man es, sein Hobby zum Beruf zu machen?

Per Georg Jensen (Mac Baren)

Per Georg Jensen: Ich rauche bereits seit ich 15 Jahre alt war Pfeife. Ich will heute sicher niemandem empfehlen, so früh mit dem Rauchen zu beginnen, aber zu der Zeit war es üblich, dass ein Junge zur Konfirmation seine erste Pfeife geschenkt bekommen hat. Ausserdem hatte mein Vater eine Pfeifentabakfabrik und war selbst leidenschaftlicher Pfeifenraucher, und hat zu mir gesagt, wenn Du rauchen willst, dann rauche Pfeife!

So bin ich zum Pfeife rauchen gekommen. Den Einstieg in die Welt der Pfeife habe ich bereits als Teenager bekommen, wenn ich nach der Schule in unserer Pfeifenfabrik gearbeitet habe. Nach der Schule bin ich dann für ein Jahr nach Deutschland gegangen und habe dort in Hamburg für einen Tabakimporteur gearbeitet. Wieder zurück in Dänemark habe ich kurze Zeit später die Pfeifenfabrik zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester übernommen und 20 Jahre geleitet. Und obwohl ich jetzt seit über 17 Jahren bei Mac Baren und mit Pfeifentabak arbeite, kann ich mich auch heute noch für ein schönes Stück Bryereholz, eine aussergewöhnliche Form und ein gutes Design begeistern.

St. Bruno

Sie haben in der Pfeifenfabrik ihres Vaters gearbeitet. Habe Sie noch eine Pfeife aus der Zeit?

Per Georg Jensen: Ja ich habe noch Pfeifen aus der Zeit, als mein Vater die Firma geleitet hat, aber auch aus meiner Zeit, als ich viele Pfeifen selbst designt habe.

Auf der Homepage von Mac Baren (http://de.mac-baren.com/flake) habe ich gelesen, dass Sie ein echter Flake Fan. Was ist das Besondere am Flake?

Per Georg Jensen: Bei Flake möchte ich zwei Dinge besonders hervorheben:

1. Zum Stopfen einer Flakepfeife nimmt man sich Zeit und Ruhe, fast ein meditativer Vorgang. Für mich ist es ein guter Moment, um nachzudenken.

2. Eine gut gestopfte Flakepfeife brennt langsam gut ab und es entwickelt sich ein wunderschöner Tabakgeschmack.

Mac Baren St. Bruno jetzt auch in Deutschland erhältlich

Top6 Liste

Welches ist ihr persönlicher Lieblingstabak oder gibt es wie bei mir ein Top6 Liste?

Three Nuns

Per Georg Jensen: Bevor ich Ihnen meine Lieblingstabake verrate, möchte ich noch betonen, dass es beim Tabak genauso ist, wie z.B. mit einem guten Essen. Jeder hat seine eigenen Vorlieben, der eine mag es stark der andere lieber mild, der nächste liebt exotisches Essen und wieder andere lieben die gute Hausmannskost. Das hängt von unserem Geschmack, unseren Erfahrungen und letztlich auch von unserer Körperchemie ab.

Wenn es um Geschmack geht, sage ich immer: „I am the world leading expert in my own taste.“ (Ich bin der weltbeste Experte in meinem eigenen Geschmack.) Und ich bin ein ausgesprochener Virginiaraucher.

1. HH Pure Virginia (Ein Neuling in unserer Range, den ich mitentwickelt habe), Mac Baren - HH Pure Virginia

2. Virginia Flake (Mein jahrzehntelanger Favorit bevor wir den HH Pure Virginia entwickelt haben)

3. HH Old Dark Fired (wenn ich einen kräftigen Tabak brauche), HH Bold Kentucky von Mac Baren

4. HH Latakia Flake (wenn ich von meiner Freundin nicht gestört werden will und meine Ruhe brauche ;-), Mac Baren - HH Latakia Flake

5. Three Nuns (eine Erinnerung an meine Jugend mit seinen süßlichen und rauchigen Noten) Mac Baren - Bell\'s Three Nuns

6. Mixture und Amphora Virginia (der angenehme Rauchduft macht mich zu einem beliebten Gast auch jeder Party.;-)

Wie schafft man es immer eine gleichbleibende Qualität und den gleich Geschmack zu kreieren. Tabak ist wie Wein von der Ernte abhängig - oder?

HH Latakia Flake

Per Georg Jensen: Das stimmt. Auch bei gleichen Wachstumsbedingungen, auf dem gleichen Feld, vom selben Bauern, erhält man jedes Jahr ein anderes Ergebnis. Deshalb blenden wir unsere Mischungen gern aus vielen verschiedenen Rohtabaken mit unterschiedlichem Geschmack und Eigenschaften, so dass man es nicht merkt, wenn mal ein Tabak ersetzt werden muss. Ein gutes Beispiel ist unser Mixture, wo wir 35 verschiedene Rohtabake verwenden. Jedes Mal wenn wir einen Rohtabak ersetzen müssen, weil er vielleicht nur zu 98% mit dem neuen Tabak übereinstimmt, durchläuft die Mischung einen Test durch unsere Raucherpanel, wo wir sicherstellen, dass eine neue Tabakcharge den Geschmack des Blends nicht verändert.

Aber ich gebe zu, dass die Weinbauern es schlauer gemacht haben als wir. Sie schreiben einfach die Jahreszahl auf ihr Produkt und der Weintrinker akzeptiert, dass „sein“ Wein nicht immer gleich schmeckt. Das akzeptiert ein Pfeifenraucher nicht und deshalb „helfen“ wir der Natur so etwas nach.

Oder man macht es wie mein Vater damals, der jede Woche auf dem Küchentisch eine Dose Three Nuns, zwei Pouches Dark Twist und zwei Dosen Capstan Yellow entleert und dann mit einander vermischt hat. So hatte er seine eigene perfekte Mischung und genug Tabak für eine Woche. Diese Spezialmischung war dann auch die Erste, die ich probiert habe und ich erinnere mich, dass ich die für den Einstieg etwas heftig fand.

Mac Baren Dark Twist Roll Cake

Der Star "Three Nuns"

Was ist eigentlich das Besonders an dem legendären Tabak "Three Nuns" (Mac Baren - Bell's Three Nuns)? Bei uns in der Community wird fast "ehrfurchtvoll" über diesen Tabak philosophiert.

Amphora Virginia

Per Georg Jensen: Zum einen handelt es sich bei Three Nuns um einen sehr alten Tabakblend, der noch heute so produziert wird, wie bei ersten Mal. Three Nuns ist ein gedrehter Tabak, den es heute nicht mehr so häufig gibt und der nach stolzer alter englischer Tradition hergestellt wird. Entwickelt nach dem damaligen „purity law“, d.h. reiner unverfälschter Tabakgeschmack ohne Zusatz von Aromen. Ach ja dass gilt übrigens auch für den St. Bruno Tabak, der in Kürze auch nach Deutschland kommt. Aber sagen Sie dies bitte noch nicht weiter ;-).

Sie haben bislang noch keine Plug im Angebot. Ist der Markt zu klein für so einen Tabak?

Per Georg Jensen: Ja um ehrlich zu sein, ist der Markt für Plug sehr klein. Es gibt natürlich ein paar Liebhaber dieser Tabake, weil sie den Tabak dann so verwenden können, wie sie gerade wollen, z.B. geschnitten, leicht oder auch stark aufgelockert.

Der Plug wurde  ursprünglich von Seeleuten geraucht. Der Vorteil war, dass der Tabakstrang nicht so schnell austrocknete, was auf einer oft monatelangen Seereise natürlich wichtig war. Ausserdem war der Plug/Block sehr platzsparend und der Seemann konnte sich nach Bedarf immer die Menge abschneiden, die er gerade in der Pause rauchen wollte - eine sehr praktische Lösung. Heute ist der Plug eher eine Spezialität für Individualisten.

Wenn ein neuer Tabak kreiert wird, sprechen Sie von einem Generationswechsel. Wie lange dauert so eine Entwicklung, wie oft rauchen Sie dann diesen Tabak und wie viel Experten sind bei dieser Abstimmung beteiligt?

Mac Baren Dark Twist Roll Cake

Per Georg Jensen: Die Entwicklung eines neuen Tabaks dauert zwischen 6 bis zu 18 Monaten. Als erstes muss man natürlich eine Idee haben, wo die Reise hingehen soll. Dann wählen wir mögliche Rohtabake aus und rauchen erst einmal die Mischung pur. Wenn wir mit der Auswahl nicht zufrieden sind, verändern wir die Mischung und fügen ggf. neue Sorten hinzu, was wir dann einen Generationswechsel nennen. Das machen wir solange bis wir die perfekte Mischung an Rohtabaken gefunden haben. Dann bekommt die Mischung ein Casing und wird wieder geraucht. Auch hier kann es sein, dass wir verschiedene Casings testen oder ein neues Casing für die Rohtabake entwickeln müssen. Der letzte Schritt ist dann das Finden des passenden Topflavors, was in der Regel auch einige Versuche benötigt.  Bis wir z.B. unseren Original Choice fertig hatten, brauchten wir insgesamt 12 Generationswechsel. Abgestimmt wird jeder neue Tabak von mir und zwei meiner Kollegen, wir sind damit die Produktentwicklungsgruppe bei Mac Baren.

Gut finde ich, dass Mac Baren auch 40g Packungen anbietet. In Amerika kann man auch eine Unze (ca. 25 Gramm) kaufen. Was halten Sie von dem Vorschlag, dass man auch hier Tabak in kleineren Mengen kaufen kann. Oder ist der Verpackungsaufwand zu groß?

Per Georg Jensen: Grundsätzlich kann man sicherlich sagen, je weniger Inhalt, desto teurer wird das Produkt. Und man muss berücksichtigen, dass die Händler in den USA ihre Tabake lose verkaufen dürfen. Die Hersteller können große Einheiten in Beuteln an den Handel verkaufen und der kann dann kleine Packungen von z.B. 25g weiterverkaufen.

Haben wir Pfeifenraucher mal die Chance Sie in einem Tabak-Seminar bei DanPipe, Pfeifen Heinrichs oder Pfeifen Huber zu erleben?

Per Georg Jensen: In Deutschland führe ich in der Regel zweimal im Jahr Tabak-Seminare durch, die von unserem deutschen Importeur Arnold André geplant und organisiert werden. Das nächste Mal ist in der KW 47 und im Raum Dortmund – Düsseldorf geplant.  

Vielen Dank für das Gespräch.

Am Rande notiert:

Linktipps

Fotos © Mac Baren, Redaktionsbüro Kebschull