Begegnung mit dem "Motzek Strang"


Der "Motzek Strang"

Auf diese Tabakbesprechung, ja eher kleine Geschichte über einen Tabak habe ich mich lange Zeit gefreut! Seit einigen Tagen lag die Probe vom leider nicht mehr produzierten „Motzek Strang“ in meiner Tabak-Bar…auf „den Moment“ wartend ihn endlich zu rauchen...

 

Die "Zeremonie" beginnt...

…der letzte Feiertag war ein guter Anlass, wie ich fand und so bereitet ich die "Zeremonie" vor…

Wie bei meinen ersten Pfeifenfüllungen wollte ich den Tabak zelebrieren…einen leckeren, heißen Tee, etwas dunkle Schokolade…und den leckeren Tabak dazu!
Während das Wasser kochte, bereitete ich alles zeremoniell vor, schoss schnell ein paar Fotos, um eine Erinnerung an den Tabak zu haben, denn die Probe reicht nur für 1 große bzw. 1½ mittlere Tonpfeifen Füllungen.  Die Probe war ein Geschenk von einem Pfeifenfreund aus England“wenn du Motzek Fan bist, MUSST du den Strang geraucht haben!“ fügte er hinzu und überließ mir seine letzte Füllung des von vielen hoch gelobten Motzek Strangs.

Der Tabak ist seit einiger Zeit nicht mehr verfügbar… im Interview mit Tom Darasz erklärte Tom, dass der Lieferant der Grundtabake, die den Strang so besonders machten, verstorben seien und der Tabak nicht mehr produziert würde. Ein Grund mehr die eine Füllung, die ich da habe, größtmöglich zu zelebrieren!

Es gab Rooibos-Tee, mit Zimt-Honig, 70%ige, dunkle Schokolade von Moser Roth (großer Tipp, leckere Schokolade für kleines Geld!) und als Pfeife – da bestand keine Sekunde ein Zweifel – musste eine Tonpfeife her, eine ungebrauchte gar, um auch die letzten Geschmacksnuancen raus zu kitzeln und einen unverfälschten, reinen Geschmack zu haben.

Rooibos-Tee, dunkle Schokolade, Tabak...die Zeremonie konnte beginnen! 

Als das Gedeck vor mir stand, war die Vorfreude unermesslich und im Kopf fuhren die Gedanken Karussell …“wird er so gut sein wie du es dir immer vorgestellt hast?““was wenn er eine Enttäuschung wird??“…ich war aufgeregt, wie ein Kind das seinen lang ersehnten Game Boy unterm Weihnachtsbaum liegen sieht!

Satte Farben, dominiert von Brauntönen, Curlys mit einem schwarzen Kern und einigen, wenigen gelb-orangenen Fäden dazwischen.  Er beinhaltet wohl eine ordentliche Portion Burley und mit dem Perique wurde auch nicht geknausert. Verschiedenfarbige Virginias, von hell bis rot. Der Kaltgeruch ist Motzek-typisch sehr mild. Süß-würzig, ganz leicht fruchtig und vielleicht ein ganz bisschen nussig, riecht er sehr natürlich.

Noch ein paar mal am Tee genippt, um die Geschmacksnerven zu „resetten“ und ich war bereit den Moment der Wahrheit ins Auge zu blicken, den Tabak zu entzünden und die „Zeremonie“ abzuhalten.

Noch für etwas Atmosphäre sorgen...und dann FEUER FREI!

Im Hintergrund lief die Band „The Pineapple Thiefs“ mit „Light Up Your Eyes; I Who“ als Begleitmusik, als ich das Feuer gen Tabak bewegte und dieser sofort gutmütig das Feuer annahm, um sich in Rauchschwaden zu verwandeln und mich in den Tabakhimmel zu katapultieren!

Schnell machte sich eine angenehme, dezent süße Fruchtigkeit in meinem Mund breit, die schnell von einer leichten Nussigkeit ergänzt wurde. Pflaumig, Feigen, vielleicht etwas wie Rosinen, Perique und Virginia bieten eine leckere Mischung an Fruchtaromen, die durch die Süße perfekt untermalt wird. „Süße Früchte mit Nüssen“ schoss durch meinen Kopf, als der Burley sich etwas mehr entfaltete und seine nussig, erdige Qualitäten ausspielte. Im Hintergrund bauten sich weitere Geschmacksdimensionen auf…der Virginia ergänzte eine leicht grasige Note, wie ein Feld nach einem Regenguss…das ganze unterstütz von einer angenehmen, nicht zu starken, pfeffrigen Würze die im Hintergrund mitschwingt.

Nach einigen Zügen legte ich die Pfeife kurz beiseite, um ein Stück Schokolade in meinem Mund zergehen zu lassen…herrlich! Ich war im 7. Tabak-Himmel! Dunkle Schokolade und Tabak…ein unvergleichliches Duo wie ich finde! Besonders bei Mischungen, die Burley enthalten. Den Rooibos-Tee abermals genippt, um Mund und Geschmacksnerven auf null zu setzen und die Pfeife ein zweites mal entzündet. Das erste Viertel der Füllung war verpufft, hatte sich zu feiner, grauer Asche verwandelt und ich wünschte mir, die Füllung würde niemals zu neige gehen!

Der Geschmack des Tabaks ist recht konstant und gewinnt eher an Intensität über die Füllung, als dass Geschmacksnuancen verloren gingen. Das Zusammenspiel von Va/Per und Burley empfinde ich als herrlich…ja, gar göttlich! Ich bin ein großer Fan von Va/Pern mit (dark fired) Kentucky bzw. „normalem“ Burley drin und tituliere diese Mischung als „Dreifaltigkeit des Tabak-Blendings“…Motzek’s Strang ist hier keine Ausnahme und hat schnell mein Pfeifenraucher Herz für sich gewonnen. Eine halbe Füllung habe ich noch da…mal sehen, wann sich eine Gelegenheit bietet den Tabak ein zweites mal zu genießen, auch wenn es nur eine halbe Füllung ist! 😉

Umso enttäuschter bin ich, dass der Tabak nicht mehr im Sortiment ist und so schnell nicht mehr, bzw. genau so wie meine Probe wohl gar nicht mehr erscheinen wird. Tom hatte verlauten lassen, dass der Strang wahrscheinlich bald sein Comeback feiern darf…aber die Grundtabake werden nun mal nicht mehr produziert und auch wenn ich Vertrauen darin habe, dass Tom auch aus den neuen Grundtabaken einen würdigen Ersatz mischen wird, wird er mit großer Sicherheit etwas anders schmecken…ob besser oder schlechter (was ohnehin subjektiv ist) wird die Zeit zeigen.

Was bleibt sind feine, graue Asche, wunderbare Erinnerungen und ein wehmütiges Pfeifenraucher-Herz

Bis dahin schwelge ich in der schönen Erinnerung an diesen wahrlich feierlichen Feiertag, zehre an den beeindruckenden Impressionen, die dieser Tabak bei mir hinterlassen hat und kreuze meine Finger, dass der Zufall (manche würden es gar Schicksal nennen? 😉) mir irgendwann in meiner hoffentlich noch langwährenden Pfeifenraucher „Karriere“ mal ein paar Grämmchen des Strangs in die Hände fallen…und teile meine Freude, meinen Enthusiasmus über diesen großartigen Tabak solange mit euch. Vielleicht ist der ein oder andere auch so glücklich an eine Probe zu kommen, oder hat gar die Zeit, als er noch verfügbar war, miterlebt.

Eine ebenbürtige Alternative für den Strang zu finden ist – vor allem aufgrund seiner Schnittart als „Rope“ bzw. Strang-Tabak – nicht sooo leicht, aber nicht unmöglich! Vor einigen Tagen beispielsweise habe ich G.L. Pease’s „Triple Play“ rauchen können und empfehle diesen Tabak als ehrwürdige Alternative für den Strang, wenn auch der „Triple Play“ eine leichte Rauchigkeit in sich trägt.  Empfehlungen für Alternativen sind mehr als erwünscht und ich bin sehr dankbar für jeden guten Tipp!

Ich verweile in Wehmut, diesen Tabak wohl so schnell nicht mehr zwischen die Finger und in die Pfeife zu kriegen, aber in ebenso großer Freude, den Strang endlich mal in der Pfeife, auf den Geschmacksnerven erlebt haben zu können.

Bewertung

  • Stärke: 2,5 bis 3 von 5 Punkten
  • Geschmack: 3.5 von 5 Punkten (medium bis voll)
  • Aromatisierung: 0 von 5 Punkten (Tabak pur)
  • Raumnote: tolerierbar- bis angenehm (süß-würzig, nicht aufdringlich)

Legende:

1 – sehr mild;
2 – mild bis mittelstark/mild bis medium;
3 – mittelstark/medium;
4 – mittelstark bis stark/medium bis voll
5 – Stark/(sehr) voll


 Linktipps

Allgemeine Informationen zu Tabak-Bewertung / Previews

Text und Fotos © 2017 Deniz Beck