G.L. Pease „JackKnife Plug“

 

G.L. Pease „JackKnife Plug“

Da die Tabake aus den Staaten hier in Deutschland nicht oder nur sehr schwer erhältlich sind, bin ich froh endlich einen dieser Tabake in meiner Hand zu halten. Dazu auch noch ein Plug aus Kentuckys Tabaken – was sollte da schon schief gehen?

 


Was ist Kumarin?

Bild 2: G.L. Pease „JackKnife Plug“

Aus einem Pfeifenladen habe ich mal aufgeschnappt, dass dies so wäre, weil in den USA mehr Kumarin enthalten ist. Kumarin (auch: Cumarin) ist ein natürlich vorkommender Pflanzenstoff mit eigentümlichem, jedoch angenehm und würzigen Geruch.

Es wird unter anderem auch als beliebter Duftstoff für Parfums und Speisen (in Form von z.B. Tonkabohnen oder getrockneten Waldmeisterblättern).
Der Geruch erinnert an Vanille und wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts als Ersatz für echte Vanille verwendet. Manche Eisdielen bieten mittlerweile auch „Tonkabohnen“-Eis an, was ich jedem ans Herz lege. Schmeckt wie eine Mischung aus Vanille, mit einem Hauch Waldmeister-Aroma. Lecker!

In größeren Mengen verzehrt, bzw. aufgenommen soll es jedoch gesundheitsschädlich wirken. Es kommt beispielsweise von Natur aus in der Tonkabohne vor (die Tonkabohne ist z.B. in Samuel Gawiths 1972 Flake zu finden).

Laut Aussage des Pfeifenhändlers soll das Kumarin und einige andere verwendete (hier in Deutschland aber auch in Tabakwaren verbotene) Stoffe auch suchtfördernd sein und dafür sorgen, dass Pfeifenraucher einer Mischung über Jahrzehnte treu bleibt. Ob letzteres der Wahrheit entspricht kann ich leider nicht sagen, ich fand es aber interessant und wollte es deshalb erwähnt haben.

Andere Länder… andere Sitten(-Polizisten)! Was hierzulande verboten ist, ist bei unseren Schweizer Nachbarn noch längst nicht auf der schwarzen Liste. So kam es doch dazu, dass ich dank der Hilfe von Jean Panzer (der charmante Außenreporter von Eagle Pipe) endlich eine Dose dieses Stück Tabakskunst in der Hand halte.
Nun aber zum eigentlichen Tabak!

Bild 1: (Auf dem Bild noch zu sehen: „Pure Perique“ von McConnell; danke Jean du hast mir eine riesen Freude bereitet!)

Bild 1: Auf dem Bild noch zu sehen: „Pure Perique“ von McConnell; danke Jean du hast mir eine riesige Freude bereitet!

Erster Eindruck

Das erste, was einem entgegenströmt wenn man die (wundervoll gestaltete) Dose öffnet und das Deckblatt mit persönlicher Widmung von Herrn Pease herausholt, ist ein unvergleichlich intensives Räucheraroma. Es erinnert mich stark an BBQ-Sauce. Sauer-süß, mit Anklängen von Essig und Balsamico. Tief würzig und rauchig zusammen mit etwas, dass ich als „metallisch“ beschreiben würde. Wer schon mal ein Tropfen seines Blutes probiert hat, wird wissen was ich meine.

Eine sehr dezente honigartige Süße versteckt sich auch in der verführerischen Duftnote. Der Geruch des JackKnife Plugs erinnert mich sehr an Mac Barens Old Dark Fired.
Hier haben wir es mit einem Plug aus Dark Fired Kentucky und reifen, roten Virginias zu tun. Das ganze wird ergänzt durch einen Kern aus „flue-cured“ goldenen Virginias. Als Cakes gepresst, gereift und anschließend in 2oz (zirka 56g) Blöcke zerteilt.

Vor dem Genuss, steht die Vorbereitung

 

Der Plug selber ist nicht sehr dicht gepresst

Der Plug selber ist nicht sehr dicht gepresst und bröselt leicht auseinander. Ich würde die Dichte als ein Mittelding zwischen „Crumble Cake“ und einem „echten Plug“ (z.B. aus Großbritannien) beschreiben.

Der Umgang mit dem Tabak ist trotzdem eine Freude und auch in dieser Rezension möchte ich darauf verweisen, dass hier der Schlüssel zur Magie in der Gelassenheit liegt. Am meisten Genuss lässt sich aus diesem Tabak ziehen, wenn man sich Zeit lässt. In ruhe etwas Tabak aufschneiden (ob in Flake-Form, sogenannter „Cube Cut“, ready rubbed, oder shag – hier sollte jeder experimentieren und seine Lieblingsvariante(n) finden!), ihm 1-2 Stunden Zeit zum „atmen“ und trocknen geben. Dazu vielleicht etwas gute Musik und dann in Ruhe ein Pfeifchen befüllen und entspannt genießen.

Ein Plug Tabak ist eher nichts für „einen Quickie zwischendurch“, sondern entfaltet sein gesamtes Potenzial dann, wenn man diesem Stück Tabakkunst die Aufmerksamkeit schenkt, die ihr gebührt.

Der Tabak kommt in einwandfreier und hoher Qualität daher. Die Feuchtigkeit ist als „mittel“ einzustufen und für gewöhnlich reichen 30-60 Minuten Trocknungszeit, um den Tabak rauchfertig zu bekommen. Wer seinen Tabak „knuspriger“ mag, kann auch mit den Zeiten variieren und ihn länger trocknen.

Der Tabak kommt in einwandfreier und hoher Qualität daher

Raucherlebnis

Nach dem Genuss der Vorbereitung, setzt sich dieser im Rauchvorgang fort. Ausreichend getrocknet, lässt der Tabak sich problemlos in die Pfeife einbringen und glimmt bereitwillig an. Auch im weiteren Rauchverlauf braucht er nur wenig Nachfeuern und ist unkompliziert in der Handhabung.

Der intensive BBQ-Saucen ähnliche Geruch aus der Duftnote findet sich auch im Geschmack wieder, wenn auch weniger intensiv. Eine tiefe Würze gesellt sich dazu, die weit weg davon ist eindimensional zu sein! Das Räucheraroma ist angenehm holzig, mit leichter Säure. Der Rauch ist von cremig-erdiger Textur und bietet einiges zu entdecken. Insgesamt ist das Geschmacksprofil intensiv rauchig und erdig. Marginale Süße rundet „scharfe Ecken“ ab und sorgt dafür, dass dieser Tabak trotz all seiner Kraft niemals überfordernd wird.

JackKnife Plug bietet zwar nicht all zu viele Geschmacksnuancen, jedoch sind die, die zu erschmecken sind von Grund auf ehrlich und unkompliziert. Hier weiß man was man raucht und der Tabak versteckt sich nicht unter künstlichen Casings oder Top-Flavourings. Ein solider, kräftiger und ehrlicher Plug-Tabak, der den Vergleich mit seinen „Artgenossen“ á la Old Dark Fired, Irish Flake oder Bold Kentucky nicht zu scheuen braucht. Ein angenehmes und befriedigendes Rauchvergnügen!

Das Nikotin macht sich deutlich bemerkbar, ist aber (für den erfahreneren) Pfeifenraucher nicht überfordernd und irgendwo zwischen Old Dark Fired und Irish Flake anzusiedeln – „mittel-stark“.

Resümee

G.L. Peases JackKnife Plug ist ein Genuss von Anfang bis Ende. Die Produzenten haben viel Aufwand in Präsentation und Gestaltung von Tabak und Dose gesteckt, was ich sehr schätze. Das Design der Dose ist einfach gehalten, der Inhalt jedoch alles andere als langweilig!

Die roten Virginias harmonieren exzellent mit den dark fired Kentuckys und ergeben einen herrlich erdig und holzigen Grundtenor. Die hellen Virginias bereichern die Mischung mit ihrer leichten und erfrischenden Süße und „erden“ den Tabak.

Einfach ein rundes Raucherlebnis, dass einen immer wieder zu diesem Tabak greifen lässt. Aufgrund seiner ungestümen Natur empfiehlt es sich vorher etwas es zu essen und auch dabei vielleicht ein Stückchen Schokolade zur Hand zu haben – auch um die Geschmacksnerven zu „reinigen“ ist (dunkle) Schokolade ein super Mittel wie ich finde.

Auch wenn er hierzulande nicht leicht erhältlich ist, lohnt sich der Aufwand doch für jeden Pfeifenraucher, der ein kräftigeres Kraut zu schätzen weiß. Ein „must-try“ für Kentucky-Fans.

Linktipps

G.L. Peases JackKnife Plug ist ein Genuss von Anfang bis Ende