Vogels Tabakstube - Primeur

Vogels Tabakstube

„Vogels Tabakstube“ setzt auf Klasse statt auf Masse. Das macht neugierig. Insgesamt werden drei Tabake vorgestellt. Die Nummer Eins ist der Primeur. Ist der Name Programm?

Tabakechter Burley-Geschmack

Durch einen Pfeifenraucher Kollegen, bin ich auf „Vogels Tabakstube“ aufmerksam geworden, der mir den „Massimo“ als „kernigen Burley mit tabakechtem Burley-Geschmack“ empfohlen. Beim stöbern auf der übersichtlich- und einladend gestalteten Website, dessen übersichtliches Hausmischungen Sortiment eher auf Klasse als Masse setzt, bin ich auf einige Mischungen gestoßen, die mich sofort interessiert haben. Die Auswahl an Hausmischungen mit „EM“ (Eigenmischung“ gekennzeichnet ist klein, aber fein. Die Tabake kommen in einer schlicht gestalteten Rund-Dose und zu sehr humanen Preisen.

Der wohl auffallendste der Eigenmischungen ist „Der Block“ – ein einladend ausschauender 100g Plug aus Dark Virginias, Kentucky & Perique. „Der Block“ wird auch im Zuge dieser dreiteiligen Rezension über Vogels Tabakstube unter die Lupe genommen, beginnen aber möchte ich mit einem Tabak, der zwar optisch nicht so spektakulär ist wie „Der Block“, geschmacklich aber ganz weit vorne mitspielt und sich nicht vor der Konkurrenz verstecken muss.

Die zweite der drei (sehr!) großzügigen Proben, die ich in die Pfeife gestopft habe war der „Primeur“.

Wein trifft auf Tabak

Wein trifft auf Tabak

„Primeur“ ist ein anderes Wort für „Jungwein“ (auch „Heuriger“ oder „Stillwein“). Ein Wein aus „frischer Produktion“, der aus der (vor-)letzten Produktion stammt und dessen Gärung zwar abgeschlossen ist, der aber noch Wein-Hefen enthält. Seine „Vorstufe“ ist der bekannte und beliebte „Federweißer“, bei dem die Hefen auch noch aktiv, die Gärung also noch im vollen Gange sind.

Bei der Gärung werden durch die in den Trauben enthaltenen Hefen der Zucker aus dem Trauben-Most in Alkohol umgewandelt. Ist nach abgeschlossener Gärung trotzdem aber noch Restzucker im Wein enthalten ist, spricht man von einem „Jungwein“.

Er soll durch seine Spritzigkeit und ein kribbeliges Mundgefühl bestechen, aber einen noch (im Vergleich zu normalem Wein) weniger ausgebildeten bzw. entwickelten Geschmack haben. Bevor der junge Rot- oder Weißwein dann im Stahltank, oder gar im Holzfass zur weiteren Reifung abgefüllt und gefiltert wird, ist er durch die enthaltenen Hefen typischerweise trüb.

Besonders bekannt ist der gefeierte „Beaujolais noveau“, aus Frankreich, welcher in ganz Europa seine Anhängerschaft etabliert hat.

Der „Primeur“ ist eine ansprechende ready-rubbed (ein Flake, der zerrieben wurde) Mischung

Erster Eindruck des Tabaks

Jetzt aber genug über (Jung-)Wein, denn der eigentliche Star hier ist der „Primeur“-Tabak von Vogels Tabakstube.

Der „Primeur“ ist eine ansprechende ready-rubbed (ein Flake, der zerrieben wurde) Mischung, bestehend aus Virginias, Oriental, Burley und Perique. Das Farbspektrum des einladenden Tabaksbildes reicht von golden-gelb, bis nussig-braun und tief schwarz.

Aus dem prall gefüllten Probenbeutel, der mit dem Logo von Mac Baren versehen ist, strömt ein herrlich ausgewogener Duft. Als erstes fällt sofort die honig-artige Süße auf. Bei genauerem Schnuppern offenbaren sich die verwendeten Oriental-Tabake, welche einen säuerlichen, leicht herben Duft verströmen.

Der Tabak ist einfach in der Handhabung und kommt gut konditioniert. Der ein oder andere wird ihn wohl 30-60min. zum Trocknen auslegen wollen, er glimmt aber auch problemlos so wie er kommt.

Raucherlebnis und Geschmacksnotizen

Ist „der Korken erst einmal gezogen“ – also der Tabak erst einmal glimmt, beginnt ein einzigartiges Genusserlebnis!

Die honig-artige Süße aus dem Kaltgeruch ist genauso im Geschmack wiederzufinden und bildet eine konstante süßliche, aber nicht zu Süße Grundlage, für das was da folgt. Schnell macht sich der Burley bemerkbar und sein reiches, nussiges Aroma geht eine unvergleichliche Verbindung mit der honig-artigen Süße ein. „Süße Nüsse“ war der erste Gedanke der aufkam, bevor der eigentliche Star dieser Mischung, der Oriental seinen Platz im Geschmacksbild einnimmt. Die verwendeten Oriental-Tabake sind sehr reich an Aromen und liefern eine säuerliche, trockene, sehr ätherische, fast kräuterige Dimension zu der Mischung.

Die Orientals sind nicht „on top“ also über den nussig-süßen Geschmack der Va/Bu Mischung aufgetragen, sondern fügen sie sich perfekt ins Geschmacksbild ein und bilden eine originelle Melange. Der Perique spielt ein paar leise Töne im Hintergrund, ist kaum eigenständig zu erschmecken, eher bereichert er die Mischung mit dezenten, pfeffrigen Tönen und seine Säure harmoniert sehr gut mit der, der Oriental-Tabaken.

Der Geschmack ist konstant, sehr natürlich und gewinnt ab der Hälfte der Füllung ein wenig an Kraft und Würze, die aber immer im „All-Day“-tauglichen Rahmen bleibt.

Zusammen mit der Nussigkeit des Burleys einfach betörend...

Resümee

Ich persönlich finde, dass der „Primeur“ ein sehr guter Einstiegstabak in die Welt der Orientals ist, da er nicht zu intensiv im Geschmack, aber dennoch durchweg präsent ist.

Aber auch für eingeschworene Oriental-Fans sollte diese Mischung eine „All-Day“-taugliche Bereicherung für die Tabak Bar sein. Ein Tabak den man nebenher genauso gut genießen kann, wie wenn man ihn bewusst und müßig im Sessel qualmt. Unkompliziert, nicht überfordernd, rund – so würde ich ihn beschreiben.

Besonders möchte ich die Natürlichkeit des Tabaks hervorheben, die mich sehr überrascht hat, da der Geruch aus dem Probenbeutel sehr honig-süß, ja fast „dänisch“ war. Die honig-artige Süße, welche sehr natürlich ist, hinterlässt den Eindruck, dass hier echter Honig verarbeitet ist, anstatt auf künstliche Süße zu setzen, was ich sehr erfreulich finde.

Zusammen mit der Nussigkeit des Burleys einfach betörend und ein exzellenter Gegenpol zu den aromareichen Oriental-Tabaken.

Ein Tabak, den ich sofort in meine Tabak Bar aufnehmen werde und den ich jedem ans Herz lege, der gerne mal in die Welt der Oriental-Tabake reinschnuppern will, genauso wie denen, die einen unkomplizierten „All-Day-Smoke“ suchen, dessen Oriental-Aroma zwar klar erschmeckbar, aber nicht so intensiv sind, dass man ihn besser im Sessel genießen sollte.

Im nächsten Teil der dreiteiligen Vorstellung der Tabake von „Vogels Tabakstube“ wird es um den „Block“ gehen, eine Mischung aus Dark Virginia, Kentucky & Perique als Plug. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig unterhalten oder gar anregen und wünsche euch fröhliches Qualmen!  Deniz

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Fotos © 2017 Vogels Tabakstube, Deniz Beck